Fogarasy-Fetter Mihály

Die Geschichte der Familie Fetter

(Die geschichte und Volkskunde der Gemeinde Pilisvörösvár/Werischwar)

 

Die Ahnen

1982 wandte ich mich an das Institut für europäische Ethnologie an der Universität Marburg mit folgender Bitte:

"Ich schreibe einen Aufsatz mit dem Titel: Die Geschichte und Volkskunde der Gemeinde Pilisvörösvár/Werischwar. Dazu hätte ich verschiedene Informationen nötig. Meine Ahnen stammen aus dem Schwabenland, nämlich aus Schramberg, nicht weit vom Rhein. Sie sind am Ende des 17. Jahrhunderts nach Ungarn ausgewandert. Mein Stammvater hieß Christian Vötter (oder Fetter). Er ist ganz jung nach Ungarn, bzw. nach Werischwar gekommen.

Daß mein Urahn wirklich aus Schramberg stammt, gelang mir aus dem foglenden Werner Hacker Buch zur Kenntnis: «Auswanderer vom Oberen Neckar nach Südosteuropa im 18. Jahrhundert.» Auf Seite 210 fand ich in einem Verzeichnis: 2690. Vetter Christian Schramberg, «der vor 20 Jahren nach Ungarn gezogen ist, soll mit seinem Regiment von den Türken gleich im ersten Jahr niedergehauen sein.» – Schramberg April 3:273. An der rechten Seite des Verzeichnisses stehen die folgenden Zahlen: (um 1689) U (12.10.1709)."

Die Universität Marburg sandte meinen Brief nach Schramberg, wo er dem Heimatforscher Alfons Brauchle ausgehändigt wurde.

Von nun an übergebe ich das Wort dem Heimatforscher Alfons Brauchle (Ehemaliger Schuldirektor in Hardt), der die Vergangenheit der Stadt Schramberg und auch der Gemeinde Hardt bearbeitet hatte.

"Das Schreiben von Michael Fogarasy/Fetter erregte natürlich meine Interesse als Familien- und Heimatforscher. Ich holte sofort meinen ordner «Schramberger Familien» und hier stand beim jahrgang 1667! «Geboren am 25. November 1667 Christian Vetter, Sohn des Johann Vetter und der Magdalena Hasin», dazu die Paten Georg Langenbach und Maria Steinerin. Weiteres Suchen ergab: Hans (Johann) Vetter hatte in erster Ehe am 26. Januar 1664 Barbara Künstler (wohl: Künzler) in Schramberg geheiratet. Sie stammte von Hornberg, und da Hornberg zum Herzogtum Württemberg gehörte, war sie evangelisch, was im Ehebuch vermekt ist. Um diese Zeit waren Mischehen im Gegensatz zur Zeit vor dem DreißigjährigenKrieg sehr selten, und es war üblich, daß in diesem Fall die Braut die Konfession des neuen Wohnortes annahm. Aus der Ehe gingen vier Söhne hervor, Adam, Matthias, Franz und Jakob. Nach dem Tod seiner Frau heiratete Hans Vetter 1666 die Magdalena Haas „aus der Höll”, gemeint ist die Höll-, Höld- oder Heldhof an der Unteren Schiltach, stab Kath. Tennenbronn. Aus dieser Ehe hatte Vetter nur den bereits genennten Sohn Christian. Als Wohnplatz der Familie wurde im Ehebuch angeführt «Auf dem Einbrandt»; gemeint ist der «Hohe oder Hintere Imbrand» zwischen Schloßberg und Finsterbach, wo heute zwei Höfe stehen, wo aber im Urbar und bis ins 19. Jahrhundert nur ein Hof angeführt wird. In den ersten Amtsrechnungen des Freiherrn Hans Friedrich von Bissingen und Nippenburg, der 1648 die Herrschaft Schramberg als Pfandlehen um 33 000 Gulden übernommen hatte, steht 1650: «Christian Lamprecht hat vor Jahren vom hinteren Imbrant jährlich 14 fl erstattet; weil aber anjezo dieser ganz öd und wüst gelegene Hof die gnädige Herrschaft dem Hans Vettern per 430 fl, jährlich zu verzinsen, verkauft (hat), dahero (wurde) diss Jahr erstattet 21 Gulden 30 Kreuzer.»
Auch in den folgenden Jahren zahlte Vetter den gleichen Betrag als Zins und Abzahlung. Selbst der älteste Sohn Adam zahlte noch 1696 17 fl 30 x (Kreuzer). Die Familie Vetter taucht in Schramberg nach den mir vorliegenden Abschriften erstmals 1619 mit Matthäus Vetter in den Frongeldlisten des Stabs Schramberg auf. Dieser war mit größter Wahrscheinlichkeit der Vater des Hans. Warum nun Christian Vetter schon 1689 als Auswanderer aus Schwaben genannt wird, kann durch einen Teilungsvertrag erklärt werden, der am 12. Oktober 1709 in das erste Contrachten-Protokollbuch eingetragen wurde:

«Thaillung in Schramberg. Weil Christian Vetter schon vor 20 Jahren in (nach) Ungarn gekommen (ist), von dem man so viel Nachricht hat, daß gleich das letzte Jahr (1689) selbiges Regiment, worunter er gelosen (durch Los eingezogen) von den Türken niedergehauen worden sei.» «Bald (weil) danach und bisher nichts mehr von ihm gehört worden ist, deshalb haben dann seine hinterlassenen Geschwister (= Stiefgeschwister) nämlich Matthias, Adam, Joseph und Bartle, beide Brüder, dann Jakob Vetters (er war verstorben!) Nachfolger Anton Haberstroh und Anna Vetterin zwei Kinder, Bartle Langenbacher und Anna Herzog, Stiefgeschwister, außerdem Lisabetha, bei der Obrigkeit gnädigst angesucht und gebeten, ihnen sein im Waisenbuch aufzeichnetes Vermögen untereinander verteilen zu dürfen, mit der einschränkenden Bemerkung, wenn ihr Bruder bzw. Vetter (Onkel) Christian Vetter selbst oder jemand von ihm kommen sollte, sie alle Rückerstattung tun wollten.» (Das Vermögen bestand, nach dem Waisenbuch berechnet aus 37 Gulden 25 Kreuzer (von diesem Betrag konnten damals etwa fünf Kühe gekauft werden.)

«Diesen Betrag ist die Witwe des vorsterbenen Christian Haas in Tennenbronn schuldig. Hiervon ist die Amtsgebühr 25 Kreuzer. Damit sind noch 37 Gulden zu verteilen. Dies trifft für jeden der sechs Erben 6 fl 10 x: Matthias Fetter 6 fl 10 x Adam Vetter 6 fl 10 x, Joseph und Bartle Vetter zusammen 6 fl 10 x (ihr Vater war Christians Bruder Jakob!), Anton Haberstroh 6 fl 6 x, Bartle Langenbacher und Anna Herzog, 6 fl 10 x, Elisabetha Vetter 6 fl 10 x. Die Erben waren die gesamte Nachkommenschaft des Hans Vetter. Diesen Vertrag hatte ich in verständlicheres Deutsch übertragen und abgeschrieben.»
Danach kam also Christian Vetter nicht mit einem der sogenannten Schwabenzüge nach Ungarn, sodern er kämpfte als Soldat im kaiserlichen bzw. österreichischen Heer gegen die Türken in Ungarn. Er war zweifellos bei der Eroberung von Ofen 1686 dabei. In einer Schlacht gegen die Türken verwundet, blieb er wohl in Ungarn hängen. Spätestens 1687 heiratete er eine Elisabetha, deren Mädchenname nicht bekannt ist, und siedelte sich 1689 in Werischwar an."

Christian Vetter (oder Vötter) ist einer der ersten Deutschen, die sich nach der Befreiung Ungarns von der Türkenherrschaft, hier inWerischwar niedergelassen haben. In der ersten Einwohnerliste von Werischwar von 1696 ist er der erste der 66 Bewohner. Von Beruf war er Maurer und ihn hat man zum ersten Richter des Dorfes gewählt.
In dem ungarisch geschriebenen Büchlein „Beiträge zur Besiedlungsgeschichte nach den Türken in Komitat Pilis” steht unter der Jahreszahl 1689: „1689-ben Schrambergbol jött Vetter Christian, Vörösvárott halt meg 1719. ápr. 24-én 73 éves korában.” Danach starb Christian Vetter 1719 im Alter von 73 Jahren. In Wirklichkeit war er aber erst 53 Jahre alt. Entweder handelt es sich um einen Lesefehler des Autors oder aber um einen Schreibfehler im Sterbebuch von Werischwar.

Die Erlaubnis zur Werbung von Siedlern aus deutschen Herrschaftsgebieten wurde durch kaiserliche Ansiedlungspatente erworben, von denen, wie bereits bemerkt, das erste bereits ausgestellt wurde, womit nachgewiesen ist, daß Christian Vetter überhaupt einer der ersten deutschen Siedler in Ungarn war. Außer ihm lebten hier ein Postmeister (Stefan Huszár) mit seiner Familie, Matthias Hierleman mit seiner Familie und am 4. Juli 1689 kamen 4 Bauern aus Schwaben mit Patent.

In der ersten Beschreibung nach der Zurückeroberung Ofens (Buda) im Jahre 1686 waren schon bereits 66 Siedler, davon 64 deutsche und 2 ungarische Familien. In der Liste stehen die 22 Halblehen und die 44 Viertellehenbesitzer völlig durcheinander. Möglicherweise ist die Reihenfolge durch den Zeitpunkt der Ankunft bedingt, denn Christian Vetter steht an der ersten Stelle mit seinem halben Lehen. Aus den anderen Angaben ist zu ersehen, daß er einen Sohn (Christian 4. Sept. 1695) und eine Tochter Anna Maria (8. Februa 1693) hatte. Also 1696 hatte er eine dreijährige Tochter und einen einjährigen Sohn. Christian Vetter war kein armer Siedler, denn in seinem Stall standen zwei Pferde, zwei Ochsen, drei Kühe, fünf Kälber, drei Geißen (Ziegen) und zwei Schweine. Nur acht Siedler hatten Pferde, davon der „Leithnant” Franz Schärl drei und Vetter zwei. Vetter gehörte also zu den vermögenden Siedlern, was auch aus den anderen Angaben zu schließen ist. Nur ein Bauer hatte mehr Weizen, acht hatten mehr Korn, zwei mehr Gerste und nur der leutnant hatte mehr Hafer.

Der Stammbaum der Familie Fetter

Der erste Vötter/Vetter, von dem wir Kenntnis haben, war der Taglöhner Theuß 1619 (Matthäus). Sein Sohn war Johann (Hans) Vetter, der schon auf dem „Hinteren Imbrand” wohnte. Er heiratete 1644 die Barbara Künstler (Künzler?). Sie stammte aus Hornberg. Nach ihrem Tod heiratete Johann Vetter die Magdalena Haas aus Tennenbronn. Aus dieser Ehe stammt Christian Vötter. Christian Vötters Kinder sind schon in Ungarn geboren.

1. Gristian Vötter geb. 1667, Eheschl. Zirka 1690 mit Elisabeth (?)
2. Jakob Vetter geb. 1697, Eheschl. 1720 mit Anna Sauer
3. Joseph Fetter ge. 1735, Eheschl. 1759 Julianna Prikler
4. Anton Fetter geb. 1762, Eheschl. 1786 Anna Maria Gechter
5. Joseph Fetter geb. 1794, Eheschl. 1818 Franziska Müller
6. JohannFetter geb. 1821, Eheschl. 1842 Theresia Gillinger
7. Johann Fetter geb. 1852, Eheschl. 1876 Anna Eszl
8. Johann Fetter geb. 1890, Eheschl. 1916 Maria Schreck
9. Michael Fetter geb. 1917, Eheschl. 1943 Ibolya Richtar
Michael Fetter ließ seinen Namen 1934 auf Fogarasy magyarisieren.
10. Zoltán Fogarasy geb. 1944, Eheschl. 1967 Anna Kurz
11. Zsolt fogarasy geb. 1968

Christian Vötter/Vetter hatte 6 Kinder (8. II. 1693: Anna Maria; 4. IX. 1695: Christian; 20. XI. 1701: Andreas; 14. V. 1697: Jakob; 28. V. 1699: Johann; 21. I. 1703: Maria Magdalena.)

Einzelheiten über die Familiengeschichte

Die Frau Christian Vötters ist ungefähr 1703 gestorben. Im nächsten Jahr heiratete Christian Vötter die Witwe von Georg Feninger. (Eheschließung: 27. V. 1704.) Feninger wurde von den Kuruzen getötet. Diese Frau starb am 24. X. 1715. – Christian Vötter heiratete wieder. Diesmal heiratete er die Witwe von Ignaz Widerman. (I. Widerman wurde am 15. V. 1704. von den Kuruzen getötet.) Eheschließung: 28. II. 1718. Die Namen der drei Frauen: Elisabeth, Barbara, Magdalena.

Der letzte Johann Fetter (mein Vater) hatte drei Geschwister: Martin, Theresie und Anna. Martin Fetter (Gemeinderichter) hatte 14 Kinder, Johann Fetter einen Soh, Thereisa Fetter (ihr Gemahl war Johann Gemela) hatte 7 Kinder und Anna Fetter (ihr Gemahl war Johann Fresz) hatte drei Kinder.

Von Johann Fetter wurde folgendes geschrieben: „János Fetter Maschinenheizer geb. 1890 in Pilisvörösvár, wurde 1911 in Pola zur Kriegsmarine einberufen. Er diente am «Meteor», «Erzherzog Friedrich» und am «Gamma» Schlachtschiffe. Der 1. Weltkrieg fand ihn beim Militär. Am 9. Oktober 1917 ist er wegen Minenexplosion in einem Hafen Albaniens gestorben. Er hinterließ ein 5 monatliches Waisenkind. Sein Sohn nahm im 2. Weltkrieg teil.
Im Zusammenhang mit dem todesfall schrieb Oberleutnant Wolf den folgenden Brief an meine Mutter, an die Witwe des János Fetter:

"Ihren Brief vom 24. Oktober habe ich erhalten. Ihrer Bitte entgegenkommend teile ich Ihnen mit, daß Ihr Mann mit anderen zusammen Opfer des Unglücks wurde und sofort starb. Die Sachen Ihres Mannes wurden zusammengepackt und auf das Kriegsschift Szigetvár geschickt, vondort werden Ihnen die Sachen zugestellt.

In den nächsten Tagen werden Sie mit einer Postanweisung 354 Kronen erhalten, welche Summe wir für Ihr minderjähriges Kind sammelten.

Die Spender … (unleserliches Wort) …, Offiziere und ehemalige Kameraden Ihres Mannes.

Dem Brief lege ich ein Foto bei, auf dem der Ort des Unglücks sehen ist.

Es wurde von einem Oberleutnant angefertigt. Er vervielfältigte es und verkaufte es zugunsten Ihres Kindes. Davonkamen 250 Kronen zusammen; die anderen 104 Kronen stammen von der Kranzablösung. Verwenden Sie die Ihnen geschickte Summe nach eigenem Ermessen zu Gunsten Ihres Kindes.

Absenderort
K. u. K. Hafenkapitanat Schenjin gez.
Worlf Oberleutnant"

Die Leiche meines Vaters wurde auf dem Kriegsschiff Szigetvár nach Melnije bei Zelenika gebracht und dort am 11. Oktober 1917 beerdigt.

Nach dem Tag des Unglücks, am 10. Oktober, hätte mein Vater Urlaub bekommen, um mich zu sehen, aber am 9. wurde er zusammen mit drei anderen Soldaten während der Minenräumung auf See Opfer einer Explosion.

Der Tod meines Vaters nahm meine Mutter so sehr mit, daß sie nie mehr im Leben heiratete.

Und nun etwas persönliches…

Bis zu meinem 6. Lebensjahr habe ich nur deutsch gesprochen, und erst in der Schule lernte ich ungarisch. Schon im Alter von 5 Monaten verlor ich meinen Vater, der am 9. Oktober 1917 als Marinesoldat auf dem Adriatischen Meer gestorben ist. Ich habe ihn nie gesehen und gekannt. Nur soviel weiß ich von ihm, daß er Maschinenschlosser war und bei der Kohlengrube angestellt war.

Meine Mutter war Hebamme des ortes (ab 1916) und half bei 6300 Geburten.

Meine Mutter starb 1976. Ihre Mutter starb 1927, und ihr Vater 1945. Michael Schreck Junior ist 1916 in Russland in einem Krankenhaus gestorben. Nach dem Besuch der Grund- und Bürgerschule studierte ich an der Pädagogischen Hochschule in Jászberény, wo ich meinen Namen, wie das damals beim Studium üblich war, magyarisieren ließ (der Geist der Schule verhalf mir auch dazu).

Nach Abschluß des Studiums war ich zunächst drei Jahre arbeitslos. Diese zeit diente ich der Pfadfinderjugend. Ich gründete die Konig Matthias Pfadfindergruppe Nr. 839.

1939 bekam ich endlich an der deutschen (es war schon nach dem Anschluß) Grenze eine Lehrerstelle in Magyarbükkös. Insgesamt 6 Schüler bildeten die Gesamtzahl der Schulkinder. Am 17. Oktober bekam ich die Einberufung zum Militär.

Mein Militärdienst:
17. Oktober 1939 - 29. September 1941: Von Érsekújvár an bis Szamosújvár,
21.Mai 1942 - 3. April 1943: Von Klausenburg an bis zum Don und zurück.
23. April 1944 – 29. April 1945: von Großwardein bis Tirschenreut
29. April 1945 – 13. März 1946: Gefangenschaft in Deutschland, dann in Elsaß-Lotharingen (Amerikaner).
Danach unterrichtete ich in Sanktiwan, und von 1948 bis 1973 in Werischwar. Danach leitete ich die Bibliothek und zum Schluß begründete ich eine Buchhandlung. (1983-88)

Was wir von unserer Abstammungsstadt wissen sollen

Erst um 1100 nach Christus dringen Siedler bis in den Raum der heutigen Stadt Schramberg vor. Als stummer Zeuge dieser Zeit steht die Burgruine Hohenschramberg.
Bis hinein ins 19. Jahrhundert ist alles, was in Schramberg geschieht, eng mit der Geschichte seiner Burgherren verbunden. Die Stadt wächst und erhält 1867 das Stadtrecht. Aus dem Markflecken des 16. Jahrhunderts wurde ein Industrieort.


A Fetter csalaacute;d története